Was weiß ich über Afrika? Ich muss zugeben, nicht allzu viel. Ein paar Informationen hier oder da, die ich eher beiläufig aufgeschnappt habe. Ein paar Urlaubsaufenthalte in Ägypten, Marokko, Tunesien, die aber auch schon viele Jahre zurückliegen. Insgesamt eine eher bescheidene Ausbeute.
Das sieht bei Ralf E. Krüger ganz anders aus, der am 6. Oktober 2026 zu Gast im Presse Club Hannover war und dort seinen ersten Roman „Die Umkehr“ vorstellte. Krüger, Jahrgang 1956, ist ein deutscher Journalist und profunder Kenner des afrikanischen Kontinents. Er war 23 Jahre lang dpa-Auslandskorrespondent und knapp sieben Jahre für die dpa-Landespolitik im Büro Hannover zuständig. 2019 wurde er als Korrespondent nach Südafrika geschickt und blieb. Erst mehr notgedrungen aufgrund des Corona-Lockdowns. Dann – nach dem Beginn seines Ruhestands – freiwillig. Heute lebt er gut die Hälfte des Jahres als freier Autor in Durban. Die andere Hälfte verbringt er in Berlin.
„Ich bin damals mit dem Auto durch Afrika gefahren auf der Suche nach der Zukunft“, erklärte er bei der Lesung im Presse Club Hannover. „Und natürlich wollte ich meine Erfahrungen auch gern teilen in mehr als den rund 20 Zeilen, die für die Afrikaberichterstattung normalerweise zur Verfügung stehen.“
Damals entstand die Idee zu einem Buch, das auf einem spannenden Gedankenexperiment beruht. In seinem dystopischen Thriller dreht Krüger konsequent vertraute globale Rollenbilder um. Die Zukunft liegt nun in Afrika, während Europa in Chaos, Armut und Gewalt versinkt. Es sind nicht länger die Afrikaner, die nach Norden fliehen, vielmehr suchen Europäer ihr Heil in Afrika. Dieser Perspektivwechsel macht den Reiz des Buches aus. Die in der Lesung vorgetragenen Buchpassagen jedenfalls machten eindeutig Lust auf mehr.
Eine rege Diskussion über das Buch, vor allem aber auch über das vielen von uns so unvertraute Afrika in all seiner Vielfalt und Disparität schloss sich an. Krüger berichtete sachkundig und detailreich von den vielen großen Infrastrukturprojekten, die den Kontinent besser vernetzen sollen. Von grünem Wasserstoff, der für den Export nach Europa gedacht ist, und vom Versuch afrikanischer Staaten, Rohstoffe stärker im eigenen Land zu verarbeiten. Zurzeit bereitet Krüger sein zweites Buch vor. Worum es dabei geht, wollte er aber noch nicht verraten.
Text und Foto vom Autor: Dr. Sabine Wilp