Das Filmteam: Finn-Luca Bähre, Matthies Kleen, Robin Schnellert, Florian Reinecke, Florian Sellemann, Jasper Grußendorf und Projektleiter Dr. Alexander Mlasowsky mit Dr. Sabine Wilp
Das Schüler-Filmteam „artaconfilms“ des Gymnasiums Burgdorf erstellt aktuell eine Homepage mit der Gesamtsammlung einer norddeutschen Privatstiftung. Von 90 rundplastischen Porträts und vier Reliefs aus der etruskischen, griechischen und römischen Zeit erstellen sie dafür digitale realitätsgetreue 3D-Modelle. Ihr Können und das technische Equipment wollen sie nun auch Museen in Hannover und der Region zur Verfügung stellen. „Wir haben eine mobile Ausstattung und können vor Ort rundplastische Modelle aus Marmor oder Bronze einscannen“, sagt Finn-Luca Bähre, der inzwischen Student ist. Projektleiter und Archäologe Dr. Alexander Mlasowsky: „In Deutschland sind wir mit diesem Angebot führend.“
Paläontologie trifft 3D-Technik
Seit 2009 besteht am Gymnasium Burgdorf die Arbeitsgemeinschaft Paläontologie & Archäologie, die der klassische Archäologe Dr. Alexander Mlasowsky ehrenamtlich leitet. Während der Coronapandemie entstand die Idee, als Ableger ein Filmteam zusammenzustellen. Im Februar 2022 war es so weit. Vier Mittel- und Oberstufenschüler haben mit Mlasowsky das Filmteam artaconfilms gegründet. Sie setzen dabei auf die technischen Möglichkeiten digitaler Archäologie: 3D-Scanner, ein leistungsstarker Gaming-Laptop, Digitalisierungs- und Bildbearbeitungsprogramme sowie eine Drohne. Seitdem sind Videos zu kulturhistorischen, archäologischen und paläontologischen Themen entstanden – etwa zu einer Ausgrabung in Pavia (Italien). Die Auftragsarbeit für die Privatsammler läuft über Mlasowsky.
Die Tücken der Lockensprache
Beim Presse Club Hannover schilderten die Schüler mit ihrem Vortrag „Nero goes online – Einscannen archäologischer Privatsammlung und Entstehung einer Webseite für die archäologische Fachwelt“ ihr Vorgehen. Denn erste Testläufe mit dem Handy in einer Privatwohnung zeigten rasch die Herausforderungen: Beim Fotografieren und Scannen der Artefakte müssen die Lichtverhältnisse stimmen und die Reflektion der Materialen beachtet werden. Die Hardware muss auch für sehr große Datenmengen reichen, und das Objekt muss mit dem Handscanner langsam in einem festen Abstand abgefahren werden. „Bei dieser millimetergenauen Erfassung bleiben Problembereiche, die nachbearbeitet werden müssen“, erläutert Mlasowsky. Dazu zählen der sogenannte Amorbogen zwischen Nase und Oberlippe, die Ohrmuschel und ein üppiger Lockenkopf mit seiner dichten Haarstruktur.
Scan-to-Mesh
Inzwischen hat das Filmteam Objekte der Sammlung in Museen in Köln, Frankfurt, Wien und weiteren Orten gescannt und seine Arbeitsabläufe optimiert. Die eingescannten Daten (Punktwolken) werden am Laptop mit Free-Software "gemesht", indem die einzelnen Punkte in ein geschlossenes 3D-Polygonnetz umgewandelt werden. Danach wird – wo erforderlich – nachbearbeitet und die Daten für die Homepage-Darstellung optimiert. „Unser Datenbestand ist noch nicht frei verfügbar und soll künftig zunächst der Fachwelt zur Verfügung stehen“, sagt der Archäologe. Mit den Jugendlichen hofft er, dass sich viele Museen für ihr Angebot interessieren. „Wir haben Technik, Wissen und Manpower“, wirbt er und kündigt außerdem an: „Künftig sind auch zwei Schülerinnen mit dabei.“
Text und Fotos: Katharina Kümpel